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„KLÖCKNER & CO 2022" - UNSERE STRATEGIE

Als Pionier in unserer Industrie treiben wir nun seit mehreren Jahren im Rahmen der Strategie „Klöckner & Co 2022“ unsere digitale Transformation konsequent voran und haben diese im abgelaufenen Geschäftsjahr weiter beschleunigt. Als Ergebnis erzielten wir im vierten Quartal 2020 bereits einen Umsatzanteil von rund 45 % über digitale Kanäle, gegenüber 32 % im Vorjahr. Nachdem wir uns zu Beginn auf die Schnittstellen zu den Kunden fokussiert haben, digitalisieren wir mittlerweile den gesamten Prozess von der Bestellung bis zur Auslieferung an den Kunden. Damit wandeln wir Klöckner & Co immer mehr zum Plattformunternehmen mit deutlich geringeren variablen Kosten.

Kern-Applikationen sind dabei unser Kloeckner Assistant und XOM eProcurement, mit denen wir unsere wesentlichen Prozesse Einkauf und Vertrieb automatisieren. Neben der Transformation von Klöckner & Co haben wir die Skalierung der für den Wettbewerb offenen Plattform für Werkstoffe und Dienstleistungen XOM Materials erfolgreich weiter vorangetrieben.

PLATTFORMEN ZUR TRANSFORMATION VON LINEAREN LIEFER- UND LEISTUNGSKETTEN

Nach wie vor ist die Stahl- und Metalldistribution durch volatile Preise und eine hohe Wettbewerbsintensität gekennzeichnet. Darüber hinaus sorgen lineare Lieferketten sowie mangelnde Transparenz für einen hohen Grad an Ineffizienz. Digitale Plattformen lösen solche linearen Strukturen durch die vollständige Vernetzung aller Marktteilnehmer auf. Die bestehenden Ineffizienzen werden dadurch beseitigt, mit der Folge einer optimierten Lagerhaltung und sinkender Transaktions- und Vertriebskosten.

Mit unseren firmeneigenen Marktplätzen und der offenen Industrieplattform XOM Materials sind wir der einzige Wettbewerber in unserer Branche, der alle modernen B2B-Kundenanforderungen erfüllt, indem er eine vollständige Vernetzung der Marktteilnehmer ermöglicht.

Der KI-getriebene Kloeckner Assistant macht seit dem vergangenen Jahr Kunden von Klöckner & Co zu Digitalkunden, ohne dass sie ihre Einkaufsprozesse in irgendeiner Form ändern müssen. Sie können wie bisher Angebotsanfragen und Bestellungen per E-Mail oder PDF an Klöckner & Co übermitteln und erhalten danach umgehend ein Angebot bzw. eine Auftragsbestätigung. Durch die zukünftig weitgehend automatische Bearbeitung wird nicht nur der manuelle Bearbeitungsaufwand erheblich reduziert, sondern auch der bisher langwierige und für beide Seiten zeitraubende Bestellprozess von der Anfrage über die Angebotserstellung bis hin zur Auftragseingabe extrem beschleunigt. Der Kloeckner Assistant wurde im Berichtszeitraum in nahezu der gesamten Organisation ausgerollt und hat ein Umsatzvolumen von rund 320 Mio. € von 4.300 Kunden verarbeitet. Damit hat er bereits im Jahr der Implementierung seine operativen Ziele übertroffen. Die digitale Applikation, die laufend weiterentwickelt wird, konnte dabei aus über 90.000 Dokumenten lernen und ihre Präzision verbessern. Im laufenden Geschäftsjahr soll bereits ein Umsatzvolumen von über 1 Mrd. € über den Kloeckner Assistant abgewickelt werden.

Neben der digitalen Transformation von Klöckner & Co haben wir mit XOM Materials ein eigenständiges Plattformunternehmen geschaffen, über das auch Wettbewerber ihre Produkte und Dienstleistungen verkaufen können. Die Plattform bietet über den Marktplatz und die eShops hinaus seit dem vergangenen Jahr auch die neue XOM eProcurement-Lösung an. Diese vereinfacht die Beschaffung und die Bedarfsplanung für Einkäufer erheblich. Sie automatisiert den Abgleich von Materialbedarfen und Angeboten und ermöglicht direkte Vertragsverhandlungen, Abrufe sowie den Zugriff auf aktuelle Informationen zu Verfügbarkeiten und Bestellungen. Mit der Applikation können XOM Materials-Kunden, seit Jahresbeginn auch auf dem US-amerikanischen und brasilianischen Markt, ihre Beschaffungsprozesse vollständig digitalisieren und darüber hinaus datengetrieben wertvolle und bisher verborgen gebliebene Erkenntnisse über ihre Beschaffungsvorgänge zur weiteren Optimierung gewinnen. XOM Materials konnte im Jahresverlauf 2020 um über 1.300 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum zulegen und erreichte einen Gross Merchandise Volume (GMV) von über 140 Mio. €. Für das Jahr 2021 ist ein GMV von rund 1 Mrd. € geplant.

PROJEKT SURTSEY – BESCHLEUNIGUNG DER DIGITALEN TRANSFORMATION

Im Berichtszeitraum haben wir entschlossen auf die COVID-19-Krise reagiert und unmittelbar nach dem Ausbruch das Projekt Surtsey initiiert. Damit nutzen wir die Chancen der Krise und beschleunigen unsere Transformation zum Plattformunternehmen nochmals erheblich. Im Rahmen des Projektes werden wir bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres 19 kleinere Niederlassungen schließen und die Anzahl der Beschäftigten um insgesamt mehr als 1.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (FTEs) reduzieren. Die Implementierung der Maßnahmen verläuft planmäßig, sodass bereits 16 Standorte geschlossen wurden und die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter per Januar 2021 um rund 1.000 gesenkt wurde.

Die im vergangenen Geschäftsjahr ausgelösten Restrukturierungsaufwendungen für Surtsey werden sich durch eine deutlich verbesserte Ergebnissituation sowie geringere gebundene Mittel nachhaltig auszahlen. Diese optimierte Kostenstruktur wurde bereits im zweiten Halbjahr 2020 sichtbar und konnte die durch die COVID-19-Pandemie verursachten negativen Auswirkungen auf das Ergebnis erheblich abmildern. Wir gehen davon aus, dass wir durch die Maßnahmen aus dem Projekt Surtsey einen operativen Ergebnisbeitrag von mehr als 100 Mio. € erreichen werden. Zum Ende des laufenden Geschäftsjahres werden wir dann bereits 55 % unseres Konzernumsatzes über digitale Kanäle abwickeln. Wir sind damit auf einem guten Weg, unser ursprüngliches Ziel, 60 % unseres Umsatzes im Jahr 2022 digital zu generieren, zu übertreffen. Mit der durch Surtsey erzielten höheren Profitabilität und dem gesteigerten Digitalisierungsgrad schaffen wir die Voraussetzung, um weitere Wachstumspotenziale zu realisieren.

UNSER INNOVATIVER WEG

Mit kloeckner.i in Berlin haben wir bereits im Jahr 2014 einen der ersten digitalen Hubs eines Traditionsunternehmens gegründet. Wir verbinden damit die über hundertjährige Erfahrung des internationalen Stahl- und Metalldistributors Klöckner & Co mit der agilen Arbeitsweise eines Start-ups und treiben von hier alle Projekte und Initiativen rund um die Digitalisierung und Vernetzung im Unternehmen voran. Rund 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten in den Bereichen Product Management, Software Development, Data Science & AI, Business Intelligence & Analytics, Onlinemarketing sowie User Experience & Design.

Viele solcher Hubs von traditionellen Unternehmen scheitern daran, dass deren Verhältnis zur Muttergesellschaft nicht optimal gelöst ist. Manche sind zu weit weg, um Innovationen erfolgreich in das Kerngeschäft zu übertragen, andere sind zu nah angebunden, um eigenständig und mit neuen Methoden Ideen voranzubringen. Einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren von kloeckner.i ist die richtige Balance zwischen Nähe und Abstand zum Kerngeschäft. kloeckner.i ist mit seinem Standort in Berlin unabhängig genug, um mit den agilen Methoden eines Start-ups digitale Applikationen und Plattformen zu entwickeln. Auf der anderen Seite ist die Verbindung eng genug, dass kloeckner.i vom umfassenden Know-how von Klöckner & Co sowie von den Kunden- und Lieferantenbeziehungen für die Entwicklung von Lösungen profitiert und damit die digitale Transformation von Klöckner & Co vorantreibt.

Neben dem Aufbau eigener digitaler Dienste investiert Klöckner & Co in Start-ups, die einen Mehrwert zur Weiterentwicklung unserer Plattformen und Marktplätze sowie zur Optimierung unserer operativen Prozesse leisten können. Durch diese Investments sichert sich Klöckner & Co einen Zugang zu vielversprechenden Start-ups und Ideen. Die Verbindung zu externen Start-ups stellen wir über unsere Venture-Gesellschaft kloeckner.v her. Im Berichtszeitraum haben wir unser Start-up-Netzwerk durch weitere Investments in Höhe von insgesamt ca. 3 Mio. € in Venture Capital Funds sowie ein Investment in Höhe von 2 Mio. € in das Technologie-Start-up Keelvar Systems weiter ausgeweitet. Keelvar entwickelt Softwarelösungen für die Automatisierung und Optimierung von Beschaffungsprozessen mit Hilfe KI-getriebener Bots. Gerade im Zuge der COVID-19-Krise hat sich gezeigt, dass stabile und effiziente Beschaffungsprozesse ein bedeutender Wettbewerbsvorteil sind und neue technologische Entwicklungen hierzu einen großen Beitrag leisten können.

KULTURWANDEL ALS WICHTIGER BAUSTEIN

Die digitale Transformation unseres Geschäfts geht untrennbar mit einem grundlegenden Kulturwandel innerhalb von Klöckner & Co einher. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verstehen die Digitalisierungsstrategie und passen sich an die Dynamik, die diese mit sich bringt, an. Wir arbeiten konsequent daran, innovative Arbeitsweisen aus der Start-up-Szene auch in anderen Unternehmensbereichen zu etablieren, und fördern zudem den intensiven Austausch zwischen kloeckner.i und Unternehmensbereichen der verschiedenen Landesgesellschaften.

Bei dieser großen Veränderung lassen wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht allein: Sowohl der Vorstand als auch die Geschäftsführungen der operativen Organisationen kommunizieren offen und hierarchiefrei über unsere Transformation. Daneben werden über die eigene Digital Academy Onlineschulungen angeboten, um unsere Belegschaft fit für das digitale Zeitalter zu machen und den Digital-IQ der Organisation stetig zu erhöhen. Die Kurse sind sehr beliebt, sodass sich die Kursregistrierungen im abgelaufenen Geschäftsjahr auf insgesamt über 9.000 verdoppelten.

Neue Ideen, mutiges Ausprobieren und die Nutzung innovativer Kommunikationskanäle sind ausdrücklich erwünscht – wie z. B. Diskussionen in unserem unternehmensinternen sozialen Netzwerk Yammer oder die unkomplizierte Zusammenarbeit von Fachexperten mittels Microsoft Teams. Damit fördern wir den offenen, hierarchiefreien Austausch über Landes- und Bereichsgrenzen hinweg – das schafft Motivation und Vertrauen.