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„Klöckner & Co 2022“ – unsere Strategie

Digitalisierung heißt auch im internationalen Stahlhandel: Nur wer schnell und anpassungsfähig ist, gehört zu den Gewinnern. Klöckner & Co ist ein Pionier des Wandels. Wir haben daher unsere Strategie ausgebaut, um noch digitaler, effizienter und damit profitabler zu werden. Die drei strategischen Eckpfeiler stehen und werden durch den Wandel hin zu einer offeneren, kundenorientierteren, flexibleren und digitalen Unternehmenskultur unterstützt.

1. Digitalisierung und Plattformen: Die Digitalisierung unseres Geschäfts ist der zentrale Pfeiler unserer Strategie. Wir sind Vorreiter und bereiten den Weg für unsere Kunden und Partner. Im Rahmen von „Klöckner & Co 2022“ rücken wir die Disruption des Stahl- und Metallhandels über eine Industrieplattform in den Fokus. Mit dieser klaren Ausrichtung werden wir die Chancen und Potenziale des Handels auf digitalen Marktplätzen auf unser Geschäft übertragen und davon profitieren.

2. Höherwertiges Geschäft: Der Fokus auf das Geschäft mit höheren Margen bleibt eine zentrale Stoßrichtung der Strategie „Klöckner & Co 2022“. Auch hier erwarten wir im Zusammenhang mit der Digitalisierung zusätzliche Impulse.

3. Effizienzverbesserung: Mit dem im Jahr 2017 angestoßenen Programm „One Europe“ haben wir schon jetzt die Effizienz spürbar erhöht. Auch in den USA legen wir nach. Mit „One US“ wollen wir unsere Effizienz noch einmal deutlich steigern.

Flankiert wird unsere neue, erweiterte Strategie „Klöckner & Co 2022“ von einer Vielzahl unterstützender Aktivitäten sowie einem selbstverordneten Kulturwandel für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Bereiche unseres Unternehmens.

DIGITALISIERUNG UND PLATTFORMEN

Die Liefer- und Leistungskette in der Stahlindustrie ist bis heute hochgradig ineffizient. Viele Transaktionen werden nach wie vor per Telefon, Fax oder E-Mail abgewickelt. Ein durchgängig digitales Order- und Produktionsmanagement ist nicht vorhanden. Der dadurch mehrfach unterbrochene Informationsfluss und die damit zusammenhängenden Intransparenzen führen dazu, dass auf allen Ebenen der Wertschöpfungskette von zu vielen Marktteilnehmern viel Stahl gelagert wird. Darüber hinaus sind die Prozesskosten zu hoch.

Die von Klöckner & Co entwickelte Digitalisierungsstrategie zielt darauf ab, die Informationsasymmetrien durch die digitale Vernetzung aller Marktteilnehmer zu beseitigen und damit die Effizienz für alle Beteiligten deutlich zu erhöhen.

Alle Projekte und Initiativen rund um die Digitalisierung und Vernetzung von Klöckner & Co werden von
kloeckner.i, unserem Group Center of Competence für Digitalisierung, aus dem Zentrum der deutschen Start-up-Szene in Berlin vorangetrieben. Bei kloeckner.i arbeiten mittlerweile rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Bereichen Produktinnovation, Softwareentwicklung, Onlinemarketing und Business Analytics.

Durch die Anwendung von Arbeitsmethoden wie Design Thinking, agiler Produktentwicklung und dem Lean Start-up Approach entwickeln wir in kürzester Zeit digitale Lösungen für unsere Kunden und Partner. Dafür evaluieren wir zunächst direkt vor Ort beim Kunden, wie wir Mehrwert schaffen können.

Darauf basierend konzipieren wir innerhalb weniger Wochen einfache Prototypen, die bewusst zunächst nur die wichtigsten Funktionen abdecken. Durch ständiges gemeinsames Testen mit unseren Kunden prüfen wir dann, ob und in welchem Umfang das einzelne Tool den gestellten Anforderungen genügt. Damit wird sichergestellt, dass nur bereits mit Kunden validierte Prototypen zu einer Lösung weiterentwickelt werden. Im Vergleich zur klassischen Herangehensweise von Konzernen haben wir zudem durch die neuen Arbeitsmethoden deutlich an Geschwindigkeit gewonnen.

Mit dem separaten Aufbau von kloeckner.i in Berlin haben wir unser eigenes Start-up-Unternehmen geschaffen. Dieses ist weit genug von Klöckner & Co entfernt, um eigenständiger, als es innerhalb von Klöckner & Co möglich wäre, digitale Tools und Portale agil zu entwickeln. Andererseits ist kloeckner.i eng genug mit Klöckner & Co verbunden, um das tiefgehende Stahldistributions-Know-how sowie unsere Kunden- und Lieferantenbeziehungen für den Aufbau der Lösungen zu nutzen.

Als Folge der agilen Arbeitsweise ist die im Geschäftsbericht 2014 erstmals skizzierte onlinebasierte Bestellabwicklung heute weitestgehend Realität. So sind bei unseren Kunden digitale Tools wie Kontraktportale, Onlineshops oder Bestellübersichten bereits erfolgreich im Einsatz. Neben der Entwicklung zusätzlicher Tools haben wir den konzernweiten Rollout der bestehenden Lösungen weiter vorangetrieben. Auf diese Weise konnten wir unseren über digitale Kanäle generierten Umsatzanteil von 9 % im ersten Quartal 2016 sukzessive auf 18 % zum Ende des vierten Quartals 2017 steigern. Auch auf der Beschaffungsseite haben wir uns bereits mit Großhändlern und namhaften Stahlproduzenten vernetzt.

In zahlreichen Landesgesellschaften wurden die digitalen Tools bereits in das Serviceportal „Kloeckner Connect“ integriert. Kunden und Partner können auf diese Weise zentral auf sämtliche Tools und Daten zugreifen und diese damit deutlich effizienter als bisher nutzen.

Zudem haben wir unser Angebot erweitert, in dem wir unseren zunächst proprietären Onlineshop für Partner mit komplementären Produkten geöffnet haben. Damit können Klöckner & Co-Kunden auf ein deutlich breiteres Spektrum an Stahl- und Metallprodukten zugreifen, ohne dass wir in die Verbreiterung unseres Angebotes investieren müssen.

Neben der unternehmensübergreifenden Digitalisierung der Prozesse gewinnt auch die intelligente Nutzung der generierten Daten immer mehr an Bedeutung. Um auch hier frühzeitig dabei zu sein, sind wir Kooperationen mit Aera und Arago, zwei der führenden Anbieter für künstliche Intelligenz (KI), eingegangen. So haben wir mithilfe von KI durch permanente Lernprozesse und kontinuierliche Selbstoptimierung bereits Teile unserer IT-Infrastruktur automatisiert. Zukünftig wird die bessere Auswertung der Daten, die eine Vielzahl von Faktoren einbezieht, eine wesentlich genauere Voraussage der Stahlnachfrage und der Preisentwicklung ermöglichen. Darüber hinaus werden durch eine intensivere Analyse des Kundenverhaltens zusätzliche Wachstumspotenziale eröffnet.

Zudem sind wir mit der ersten Version einer offenen Industrieplattform live gegangen. Im Gegensatz zu den 
Klöckner & Co-Onlineshops ist diese Industrieplattform ein letztendlich vollkommen unabhängiger Marktplatz für die Stahl- und Metallindustrie und damit auch für direkte Wettbewerber von Klöckner & Co offen. Das Wachstum der offenen Industrieplattform soll durch Venture Capital realisiert werden, womit sukzessive auch die Unabhängigkeit von Klöckner sichergestellt werden soll.

Klöckner & Co hat mit der Digitalisierung der Stahl- und Metalldistribution das Ende der in der Branche typischen linearen Liefer- und Leistungsketten eingeleitet. Zukünftig wird der Handel mit Stahl- und Metallprodukten in zunehmendem Maße über drei digitale Kanäle stattfinden: über proprietäre Onlineshops einzelner Händler, über industriespezifische, vertikale Plattformen und über branchenübergreifende, horizontale Plattformen.

Wir werden in der Lage sein, die gesamte Bandbreite an Produkten und Services produzentenunabhängig über alle digitalen Vertriebskanäle anzubieten. Dabei richten wir unsere Angebote strikt auf die Bedürfnisse der Kunden aus. Im Ergebnis werden Beschaffungsvorgänge für Produkte und Services deutlich einfacher, transparenter und effizienter.

Proprietäre Onlineshops: Mit diesem Angebot setzt Klöckner & Co bereits heute neue Standards für den Handel mit Stahl- und Metallprodukten. Über maßgeschneiderte Onlineshop-Lösungen werden wir unseren Kunden zukünftig vor allem spezialisierte Produkte und Dienstleistungen anbieten.

Vertikale Plattform: Klöckner & Co wird mit dem Aufbau einer vertikalen offenen Industrieplattform den Stahlhandel revolutionieren. Im Fokus stehen dabei preissensitive Kunden mit Produkt-Know-how. Ihnen bieten wir mit einer vertikalen Plattform ein breites Produktportfolio bei hoher Transparenz von Preisen und Verfügbarkeiten. Dazu wird das Angebot verschiedener Anbieter auf der Plattform aggregiert.

Horizontale Plattformen: Unter aktiver Nutzung unseres umfangreichen Know-hows im Onlinemarketing werden wir standardisierte Stahl- und Metallprodukte ohne erweiterte Servicedienstleistungen auf branchenübergreifenden, horizontalen Plattformen Dritter anbieten. Im Fokus stehen hierbei Kunden, die eher selten und kleinere Mengen nachfragen.

Wir sind hervorragend positioniert, um zukünftig auf allen digitalen Vertriebskanälen für Stahl- und Metallprodukte eine marktdominierende Stellung einzunehmen.

Für die weitere Umsetzung unserer Digitalisierungsstrategie haben wir uns ehrgeizige Ziele gesetzt. Bis 2022 sollen 60 % unseres Konzernumsatzes über digitale Kanäle erzielt werden. Im Wesentlichen durch die Generierung von zusätzlichem Geschäft und durch Effizienzverbesserungen soll die Digitalisierung dann einen Beitrag zur EBITDA-Marge von über einem Prozentpunkt leisten.

Die Verbindung zu externen Start-ups stellen wir über unsere Venture-Gesellschaft kloeckner.v her. Wir investieren hier über ausgewählte Venture-Capital-Firmen und auch direkt in Start-ups, die unsere Digitalisierungsstrategie mit disruptiven Ansätzen unterstützen. Unser erstes Direktinvestment war Contorion, der Onlinemarktplatz für Handwerkerbedarf. Wir investierten im zweiten Quartal 2016 einen mittleren einstelligen Millionen-Euro-Betrag und veräußerten die Beteiligung im zweiten Quartal 2017 für mehr als den doppelten Betrag. Ebenfalls im zweiten Quartal 2017 gingen wir eine Beteiligung an dem Technologie-Start-up BigRep ein. BigRep ist Entwickler und Hersteller des größten serienmäßig verfügbaren 3D-Druckers der Welt. Neben der finanziellen Beteiligung ist geplant, dass Klöckner & Co zukünftig industrielle 3D-Drucker von BigRep in seinem umfangreichen Standortnetzwerk in Europa und den USA einsetzt.

Mit unserer Digitalisierungsstrategie ist auch ein tiefgreifender Kulturwandel im Unternehmen verbunden. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen unsere Digitalisierungsstrategie verstehen und sie sollen wissen, wie sie zur Erreichung unserer ehrgeizigen Ziele beitragen können. Zudem müssen wir, den immer dynamischeren Veränderungen in unserem Umfeld Rechnung tragend, noch schneller und agiler werden. So kommen die innovativen Arbeitsweisen aus der Start-up-Szene verstärkt im gesamten Konzern zur Anwendung. Dazu findet ein intensiver Austausch zwischen unserer Digitalisierungstochter kloeckner.i und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern anderer Unternehmensbereiche aus allen Landesgesellschaften statt. Zusätzlich werden über die Klöckner & Co Digital Academy Onlineschulungen angeboten, um die Belegschaft fit für das digitale Zeitalter zu machen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden so bei der Entwicklung und Umsetzung neuer Ideen unterstützt und können diese über innovative Kommunikationskanäle – wie das unternehmensinterne Social Network Yammer – hierarchiefrei mit allen Kolleginnen und Kollegen über Landes- und Bereichsgrenzen hinweg diskutieren und verfeinern. Wir haben damit vertikale Kommunikationssilos zugunsten einer ungefilterten und auch zunehmend horizontalen Kommunikation aufgebrochen.

Auch diese Maßnahmen zeigen bereits Wirkung. Bei kununu, dem größten Arbeitgeber-Bewertungsportal in Europa, liegen wir in der Kategorie „Führungskultur“ auf Platz 9 von allen Unternehmen in Deutschland. Auch in der Kategorie „Arbeitsklima“ liegen wir auf einem hervorragenden 38. Platz.

HÖHERWERTIGES GESCHÄFT

Das Marktpotenzial des höherwertigen Geschäfts ist groß. Viele unserer Kunden sind stark vertikal integriert und führen Arbeitsschritte noch auf konventionelle Weise durch, die wir durch die Bündelung von Aufträgen effizienter vornehmen können. Ein gutes Beispiel hierfür sind unsere Investitionen in 3D-Laser, mit denen wir mehrere Arbeitsschritte unserer Kunden, wie das Bohren, Sägen oder Schlitzen, zu attraktiven Konditionen und unter einem deutlichen Zugewinn an Präzision kombinieren können. In Großbritannien haben wir beispielsweise das mittlerweile zweitgrößte landesweite 3D-Laser-Zentrum in der Nähe von Dudley aufgebaut. In Deutschland haben wir bereits den dritten 3D-Laser in Betrieb genommen und damit eine Nische sehr erfolgreich besetzt.

Neu eingestiegen sind wir im Berichtszeitraum in die 3D-Druck-Technologie. Nach ersten vielversprechenden Tests mit unserem ersten 3D-Drucker bei kloeckner.i in Berlin ist mittlerweile auch unsere deutsche Landesgesellschaft Klöckner & Co Deutschland GmbH mit der Investition in einen 3D-Drucker in den Zukunftsmarkt der additiven Fertigung eingestiegen.

Weiter erheblich ausbauen werden wir auch das margenstärkere Geschäft mit höherwertigen Produkten. So haben wir beispielsweise im vergangenen Jahr am Standort in Bönen, Nordrhein-Westfalen, ein Service-Center zur Verarbeitung von Aluminium-Flachprodukten für die Automobilbranche und die verarbeitende Industrie in Europa errichtet – mit einer gesamten jährlichen Verarbeitungskapazität von 80.000 Tonnen Aluminium.

Nachdem wir im Geschäftsjahr 2017 einen Umsatzanteil von 48 % mit dem höherwertigen Geschäft erzielt haben, planen wir, diesen Anteil bis 2022 auf 60 % auszuweiten.

EFFIZIENZVERBESSERUNG

PROGRAMM „ONE EUROPE“
In den vergangenen Jahren haben wir das europäische Distributionsgeschäft auf Länderebene restrukturiert sowie Kapazitäten abgebaut und zusammengelegt. Im Rahmen des Programms „One Europe“ haben wir die Aktivitäten der Landesgesellschaften in Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und Österreich noch stärker zusammengefasst. Wir wollen dadurch nicht nur Kosteneinsparungen erzielen und Synergien, insbesondere in den Bereichen Einkauf und Logistik, leichter heben, sondern auch eine noch schnellere und effizientere Umsetzung der Strategie „Klöckner & Co 2022“ gewährleisten. Ab 2019 soll „One Europe“ einen jährlichen EBITDA-Beitrag von rund 30 Mio. € erbringen, wobei schon 10 Mio. € im abgelaufenen Geschäftsjahr realsiert wurden.

PROGRAMM „ONE US“
In den USA verfügen wir durch mehrere Akquisitionen über ein Standortnetzwerk mit guter Abde-ckung der wichtigsten Regionen zwischen Ost- und Westküste. Die Standorte wurden zur Hebung von Synergien in einem Zwischenschritt zunächst nach Produktgruppen in drei Bereiche zusammengefasst. Um weitere Kosteneinsparungen über eine Verschlankung der Organisation und Effizienzverbesserungen zu realisieren, sollen die drei Bereiche in einer Einheit gebündelt werden. Damit soll auch eine noch schnellere Umsetzung der Digitalisierungsstrategie sowie des Ausbaus des höherwertigen Geschäfts erreicht werden.

Ab 2020 soll das Programm einen EBITDA-Beitrag von jährlich 15 Mio. US-Dollar leisten – davon bereits 4 Mio. US-Dollar im laufenden Jahr.

EBITDA-MARGE VON ÜBER 5 % BIS 2022
In Summe planen wir, unsere EBITDA-Marge von dem Niveau des Berichtszeitraums von 3,5 % auf über 5 % im Jahr 2022 zu verbessern. Den wesentlichen Beitrag zu diesem Anstieg sollen die Digitalisierung, die Optimierungsprogramme „One Europe“ und „One US“ sowie der Ausbau des höhermargigen Geschäfts (HVAB) leisten.